Diakonische Dienste Hannover
Fachschulzentrum Logo
Teaser
 

Berufspolitischer Hintergrund zur Beratung in der Ergotherapie:

Beratung in der deutschen Ergotherapie ist nicht neu. Sie ist in den Heilmittelrichtlinien vorgeschrieben, wenn sie im Rahmen einer ärztlichen Verordnung stattfindet.
Ergotherapeutinnen werden für die Interventionsform Beratung bisher in der Regel nicht umfassend ausgebildet und sind daher in der Beratung von Klienten und deren Angehörigen oft unsicher. In der aktuellen Praxis setzen sie demzufolge den Schwerpunkt ihrer Intervention eher in der "Be-Handlung" des Patienten als in dessen Beratung. In der ergotherapeutischen Fachliteratur finden Ergotherapeutinnen kaum Hilfe für die Bewältigung von Beratungsaufgaben sowie im Erwerb beraterischer Kompetenzen.

Im Rahmen der Professionalsierung der Ergotherapie entwickelt sich die Ergotherapie zunehmend weg von der reinen "Be-Handlung" des Patienten hin zu einer komplexen Interventionsform, in der eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Klienten und dessen Angehörigen / Bezugspersonen Grundlage des therapeutischen Prozesses ist. Dies schließt die Prinzipien der Klientenzentrierung, Alltags- und Betätigungsorientierung sowie die stärkere Berücksichtigung der Kontextfaktoren (z.B. kultureller Hintergrund) mit ein.

Darüber hinaus zeigen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, dass Klienten heutzutage mehr mitbestimmen möchten, da sie insgesamt aufgeklärter sind. Eine weitere Entwicklung ist die Kostenexplosion im Gesundheitswesen und damit einhergehend die Festlegung von Behandlungsbudgets, die die Anzahl der Verordnungen begrenzen. Es ist zu beobachten, dass die Verordnungszahlen teilweise zurückgehen. So ist es erforderlich, die zur Verfügung stehenden Therapiezeiten effizient zu nutzen.

Um die Wirksamkeit des therapeutischen Handelns zu erhöhen, wird zurzeit eine Ausweitung der Beratung innerhalb des ergotherapeutischen Intervention sowie die stärkere Einbeziehung von Angehörigen in die Therapie gefordert. Diese Forderungen werden auch zunehmend von den verordneten Ärzten gestellt.


Beratungsgrundsätze

Beratungsgrundsätze aus den Sozialwissenschaften (Grosch, Koch, Langsdorf, 2008)

Alle Autoren betonen die Wichtigkeit der Partnerschaft in der
Beratung. Beratung wird als eine unterstützende und helfende
Interaktion angesehen, die sowohl die Kompetenzen des Ratsuchenden
fördert als auch dessen Ressourcen stärkt. Dies geschieht mit der
Absicht, dass der Ratsuchende neue Handlungsmöglichkeiten erreicht und
die bisher nicht in Anspruch genommenen Ressourcen nutzt (Chur, 2002;
Stumpf, 2006; Schaeffer & Dewe, 2006; Lauber, 2004).
Die Wichtigkeit des Kontextbezuges und die sich daraus ergebende
Notwendigkeit, das Individuum in der Wechselwirkung mit seinem Kontext
zu sehen, betonen ebenfalls alle Autoren einstimmig. Ebenso deutlich
wird auf die Autonomie des Ratsuchenden hingewiesen. Damit meinen die
Autoren, dass der Ratsuchende seine Eigenverantwortung während des
Beratungsprozesses behält.
Stumpf (2006), Lauber (2004) und Schaeffer und Dewe (2006) fügen dem
Autonomiegedanken gegenüber dem Ratsuchenden ein weiteres Merkmal
hinzu: "Zu den wichtigsten Prinzipien gehört, dass Beratung strikt
problemlösungsorientiert verfährt. Mit anderen Worten, Beratung zielt
einzig auf die vom Ratsuchenden artikulierten, subjektiv situativen
Probleme und dient deren Bewältigung bzw. Lösung? (Schaeffer & Dewe,
2006, S. 139).
"Im Mittelpunkt des Beratungsprozesses steht das individuelle Problem
des ratsuchenden Menschen, der bei der eigenen Lösungssuche
unterstützt wird" (Lauber, 2004, S. 57). Die Individualität des
Klienten unter Einbeziehung seines sozialen Umfeldes, d.h. den
familiären Lebensbedingungen, des weiteren Umfeldes, wie Schule etc.
und des sozialen Milieus, wird in den Mittelpunkt der Intervention
gestellt (Schaeffer und Dewe, 2006).


Inhalte des Optionalen Lernfeld Beratung:

Laufer und Schnettker (2008) stellen fest, dass Definitionen des
Kompetenzbegriffes in der ergotherapeutischen Literatur zeigen, dass
Kompetenz sich aus Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten
zusammensetzt. Zur Entwicklung von Beratungs-Kompetenz in der
Ausbildung vermittelt das Optionalen Lernfeld das erforderliche Wissen
bzgl. der Beratung (z.B. Beratungsgrundsätze, Beratungsprozess,
Beratungsinhalte, Gesprächsführungstechniken), die Verfestigung und
Reflexion der positiven Grundhaltung der Beraterin (z.B.
Klientenzentrierung, Beratungsgrundsätze, systemische Sichtweise) und
die Anwendung beraterische Fertigkeiten (z.B. Gesprächsführung,
Beratungsprozess).

Das Optionale Lernfeld Beratung vermittelt, wie Therapeutinnen den
Beratungsprozess gezielt und transparent gestalten können, eine
selbstbewusste Rolle als Beraterin einnehmen und unter
Berücksichtigung der Kontextfaktoren an den Kompetenzen und Ressourcen
der Klienten / Angehörigen ansetzen, um deren Handlungsfähigkeit zu
erweitern.

Inhalte aus den Bezugswissenschaften, wie Psychologie, Pädagogik und
Sozialwissenschaften werden mit ergotherapeutischen Inhalten verknüpft
und für die Interventionsform Beratung genutzt. Anhand von
Fallsituationen werden komplexe Lebens- und Problemsituationen in den
Mittelpunkt der therapeutischen Überlegungen gestellt und
Beratungssituationen auf der Grundlage des Beratungsprozesses CPPF
geplant und durchgeführt. Die Beraterin nimmt eine positive
Grundhaltung ein und reflektiert diese. Gesprächstechniken werden
gezielt und adäquat eingesetzt.